Wie ein Gesundheitscoaching in der Natur ablaufen kann
Der Wald liegt still an diesem grauen Novembertag. Zwischen den kahlen Baumkronen hängt dichter Nebel, die Luft ist feucht, kühl und riecht nach Erde und Laub.
Am Parkplatz am Waldrand treffe ich meine Klientin. Wir sind zu einem Gesundheitscoaching in der Natur verabredet.
Bereits im Vorgespräch hatte sie ihr Anliegen klar formuliert: Sie steht vor einer beruflichen Entscheidung, die sie seit Monaten beschäftigt. Kündigen oder bleiben? Das ständige innere Abwägen raubt ihr Energie, erschöpft sie nicht nur mental, sondern auch körperlich. Sie wünscht sich Klarheit – und neue Kraft.
Wir beginnen mit einer sanften Achtsamkeitsübung. Sie hilft ihr, im Wald anzukommen, den Alltag hinter sich zu lassen und sich für den Prozess zu öffnen. Langsam gehen wir einen schmalen Pfad entlang. Ihre Aufmerksamkeit pendelt zwischen dem Außen und dem Innen: den Geräuschen des Waldes, dem weichen Boden unter den Füßen – und den eigenen Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen.
Schon nach kurzer Zeit bleibt sie stehen. Ihr Blick fällt auf ein verwelktes Blatt am Boden.
„So fühle ich mich“, sagt sie leise. „Ich möchte mich hinlegen, ausruhen und zu Dünger werden.“
Ein kraftvolles Bild: Erschöpfung, aber auch Wandlung. Nicht das Ende, sondern der Wunsch, dass aus etwas Altem etwas Neues entstehen darf.
Wir gehen weiter. Für ihr Anliegen hatte ich ihr im Vorfeld eine systemische Übung vorgeschlagen: das Tetralemma. Sie eignet sich besonders bei komplexen Entscheidungen, bei denen es nicht nur um ein Entweder – oder geht, sondern um das Erforschen innerer Resonanzen.
An einer Wegkreuzung bleiben wir stehen. Mehrere Wege treffen hier aufeinander: breite und schmale, solche, die nach oben führen, andere nach unten, und ein kaum sichtbarer Pfad, der zwischen den Bäumen verschwindet. Ein idealer Ort. Wir gehen ihre einzelnen Optionen nochmal durch und sie entscheidet sich für einen passenden Weg.
Option 1: Bleiben
Sie entscheidet sich für einen Weg, der bergab führt. Langsam geht sie ihn ein Stück entlang, dann bleibt sie stehen und kehrt um.
„Ich werde immer kleiner“, sagt sie. „Wenn ich weitergehe, bin ich irgendwann nicht mehr da. Das, was mich ausmacht, geht verloren. Das fühlt sich schlimm an.“

Option 2: Kündigen
Nun wählt sie einen breiten Weg, der bergauf führt. Der Anstieg ist spürbar. Als sie zurückkommt, wirkt ihr Gesicht verändert.
„Der Weg fühlt sich gut an“, sagt sie. „Anstrengend, aber gut. Ich weiß nicht genau, wo er hinführt. Dann öffnet sich plötzlich der Blick ins Tal, die Sonne kommt durch, alles wird hell. Und nach der Kurve geht es weiter. Es fühlt sich schön an – wie in der Kinderserie In einem Land vor unserer Zeit.“
Während sie diesen Weg gegangen war, hatte sich tatsächlich der Nebel gelichtet. Sonnenstrahlen fielen durch die Bäume. Zufall – oder Resonanz.
Option 3: Bleiben und kündigen
Gibt es eine Möglichkeit, beides zu verbinden?
Sie wählt einen anderen Weg, ebenfalls bergauf. Doch schon nach wenigen Schritten bleibt sie stehen.
„Hier geht es nicht weiter“, sagt sie entschieden. „Ich kann da nicht weiterlaufen.“
Option 4: Weder kündigen noch bleiben
Der Zustand des Nicht-Entscheidens.
Sie nimmt einen breiten Weg nach unten. Als sie zurückkommt, ist ihre Stimme klar:
„Es ist dunkel. Es riecht faul und modrig. Ich kann den Weg gehen, aber er fühlt sich schlecht an. Die Bäume sind riesig, fast bedrohlich. Ein fauler Weg. Ein fauler Kompromiss.“
Option 5: Etwas ganz anderes
Sie entscheidet sich für den schmalen Pfad zwischen den Bäumen.
„Zu ungewiss“, sagt sie. „Zu viel Verschiedenes. Es dauert zu lange, bis man sieht, wie es weitergeht. Und da liegt ein Baumstamm quer – der Weg ist versperrt.“
Die Resonanz ist eindeutig. Kündigen fühlt sich richtig an.
Doch wir halten inne. Stimmt das wirklich?
Jetzt tauchen die Ängste auf: finanzielle Sorgen, die Angst vor Strukturlosigkeit, Zweifel angesichts der unsicheren Zeiten. „Wie kann ich einen gut bezahlten Job einfach aufgeben?“, fragt sie.
Ich lade sie ein, nach einem Symbol zu suchen, das sie im Umgang mit diesen Ängsten unterstützen könnte.
Ein paar Schritte weiter taucht eine Bank auf. Sie bleibt stehen.

„Das ist es“, sagt sie.
Sie setzt sich, spürt den Kontakt, nimmt die Bank bewusst wahr.
„Was will die Bank dir sagen?“ frage ich.
Sie lauscht.
„Ruh dich aus“, sagt die Bank.
„Darf ich das?“ fragt sie zögernd.
„Ja“, kommt die Antwort klar und deutlich.
Was kann sie tun, wenn die Ängste wiederkommen?
„Geh zu deinem Mann und hol dir Unterstützung.“
Hat die Bank noch etwas zu sagen?
„Mach einen Finanzplan.“
Damit ist der Prozess rund.
Die Klientin hat ihre Antwort gefunden. Sie hat sich ihren Ängsten gestellt und zugleich Ressourcen entdeckt. Ihre Haltung hat sich sichtbar verändert. Der Nebel hat sich gelichtet. Es ist sonnig geworden, fast warm – und zugleich ein wenig brenzlig, weil noch nicht alles geklärt ist. Doch etwas Entscheidendes ist da: Klarheit.

Kündigen fühlt sich richtig an. Nicht leichtfertig. Nicht ohne Respekt vor den Ängsten. Sondern getragen von einer inneren Zustimmung.
Die wichtigste Erkenntnis ist nicht: Ich muss kündigen.
Sondern: Ich darf kündigen.
Berührt von dem Prozess und der entstandenen Klarheit gehen wir gemeinsam zurück zum Ausgangspunkt.
Gesundheitscoaching in der Natur nutzt die Natur als Resonanzraum für innere Prozesse. Die Wege, die
die Klientin gegangen ist, haben ihre Gefühle sichtbar und spürbar gemacht. Sie haben ihre inneren Zustände in eine begreifbare Form gebracht und ihr gezeigt, was sie bereits wusste, aber nicht spüren konnte. Die Bank spiegelte ihre Ressourcen: Sie darf sich Pausen erlauben, sie kann Unterstützung annehmen, und sie geht bodenständig vor, indem sie einen Finanzplan erstellt.
Dieses Coaching hat einmal mehr gezeigt:
Klarheit entsteht selten durch noch mehr Grübeln.
Sondern durch Spüren, Innehalten – und den Mut, dem eigenen inneren Kompass zu folgen.
Wenn du spürst, dass deine berufliche oder persönliche Situation dich gesundheitlich belastet und du dir mehr Klarheit und Entlastung wünschst, kann mein Gesundheitscoaching in der Natur dich unterstützen.
Über meine Buchungsseite kannst du ein unverbindliches und kostenloeses Kennenlerngespräch vereinbaren.